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Kaffeebohnen roh essen
Veröffentlicht von: Norbert Loose|In: Kaffee Blog|15. Januar 2023

Sind Kaffeebohnen wirklich essbar und was passiert wenn man sie isst?

Kann man Kaffeebohnen einfach essen? Diese Frage stellen sich viele Kaffeeliebhaber – spätestens, wenn eine schokolierte Kaffeebohne neben dem Espresso liegt oder ein Sambuca mit drei Bohnen serviert wird. Die kurze Antwort: Ja, Kaffeebohnen sind essbar. Wie viel Koffein dabei in Deinem Körper landet, wie die Bohnen wirken und wann Du lieber vorsichtig sein solltest, erkläre ich Dir hier. – Norbert Loose

Kurz beantwortet: Sind Kaffeebohnen essbar?

  • Ja. Geröstete Kaffeebohnen sind essbar und nicht giftig. Rohe, grüne Bohnen sind ebenfalls nicht giftig, aber sehr hart und schmecken grasig-bitter.
  • Koffein: Beim Essen nimmst Du das gesamte Koffein der Bohne auf. 10 g Arabica-Bohnen enthalten grob 80–140 mg Koffein, 10 g Robusta deutlich mehr – so viel wie ein bis zwei Tassen Kaffee.
  • Grenze: Die EFSA hält für gesunde Erwachsene bis 200 mg Koffein auf einmal und bis 400 mg am Tag für unbedenklich, für Schwangere und Stillende bis 200 mg am Tag.
  • Wirkung: Die Bohnen machen wach wie Kaffee. Zu viele können Herzklopfen, Unruhe, Schlafprobleme und Magenbeschwerden auslösen.
  • Abnehmen? Dafür gibt es keinen Beleg. Kaffeebohnen sind ein Genussmittel, kein Superfood.
  • Am besten: in kleinen Mengen, zum Beispiel als Schokobohne zum Espresso, als Deko auf Desserts oder klassisch im Sambuca.

Darf ich Kaffeebohnen essen?

Kaffee wird aus Kaffeebohnen zubereitet, und die Bohnen selbst sind nicht giftig. Du kannst sie also essen – geröstet oder theoretisch auch roh. Trotzdem solltest Du die Bohnen mit Bedacht genießen: Sie enthalten Koffein, und zwar in konzentrierter Form. Während beim Brühen nur ein Teil der Inhaltsstoffe ins Wasser übergeht, isst Du bei der ganzen Bohne alles mit.

Geröstete Bohnen sind knusprig und lassen sich gut kauen. Sie schmecken intensiv nach Kaffee, je nach Röstung und Sorte mal mild-nussig, mal schokoladig, mal herb-bitter. Rohe, grüne Kaffeebohnen sind dagegen steinhart, schmecken grasig und bitter und sind eine echte Herausforderung für die Zähne. Zum Naschen eignen sie sich nicht.

Kaffeebohnen roh essen
Kaffeebohnen sind essbar – in Maßen.

Wie viel Koffein steckt in Kaffeebohnen?

Wie viel Koffein eine Bohne enthält, hängt vor allem von der Kaffeeart ab. Arabica-Bohnen enthalten etwa 0,8 bis 1,4 Prozent Koffein, Robusta-Bohnen etwa 1,8 bis 4 Prozent (Siemens Kaffeewissen: Koffein). Daraus lässt sich grob abschätzen, wie viel Koffein in einer Handvoll Bohnen steckt:

Menge Bohnen100 % Arabica100 % Robusta
5 g (ein gehäufter Teelöffel)ca. 40–70 mgca. 90–200 mg
10 gca. 80–140 mgca. 180–400 mg
20 gca. 160–280 mgca. 360–800 mg

Eigene Berechnung aus den Koffeinspannen der Bohnen; tatsächliche Werte schwanken je nach Sorte, Herkunft und Röstung.

Zum Vergleich: Eine Tasse Filterkaffee (150 ml) enthält laut Deutscher Kaffeeverband (Kaffee & Gesundheit) etwa 50 bis 100 mg Koffein, ein Espresso (50 ml) 50 bis 150 mg. In der Erstfassung dieses Beitrags stand als Faustregel, dass etwa 15 bis 20 Bohnen so viel Koffein liefern wie eine Tasse Espresso. Als grobe Orientierung passt das für Arabica-Bohnen, bei Robusta-Mischungen reichen schon weniger. Verlass Dich deshalb nicht auf das Bohnenzählen, sondern genieße die Bohnen in kleinen Mengen.

Schokolierte Kaffeebohnen

Bei Schokobohnen kommt noch etwas Koffein aus der Schokolade hinzu, vor allem bei Zartbitter. Nach US-Nährwertdaten, die Healthline: Eating coffee beans zitiert, enthält eine schokolierte Kaffeebohne etwa 12 mg Koffein. Eine Tüte Schokobohnen vor dem Fernseher kann also schnell mehr Koffein liefern als mehrere Tassen Kaffee.

Wie viele Kaffeebohnen sind zu viel?

Eine feste Bohnenzahl gibt es nicht, denn es kommt auf die gesamte Koffeinmenge des Tages an – also auch auf Kaffee, Tee, Cola oder Energydrinks. Orientierung gibt die Bewertung der Europäischen Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA), die der Deutscher Kaffeeverband (Kaffee & Gesundheit) zusammenfasst:

  • Gesunde Erwachsene: Einzeldosen bis 200 mg Koffein und bis 400 mg über den Tag verteilt gelten als unbedenklich.
  • Schwangere und Stillende: bis 200 mg Koffein am Tag.
  • Kinder und Jugendliche: deutlich weniger; die EFSA nennt für sie 3 mg je Kilogramm Körpergewicht und Tag als unbedenkliche Menge. Kaffeebohnen sind deshalb kein Snack für Kinder.

Wer morgens schon zwei, drei Tassen Kaffee getrunken hat, sollte am Nachmittag also nicht noch eine Handvoll Kaffeebohnen hinterherschieben. Menschen mit Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Bluthochdruck, Magenproblemen oder Medikamenten, die mit Koffein wechselwirken, sollten ihren Koffeinkonsum mit dem Arzt abklären.

Wie wirken Kaffeebohnen auf den Körper?

Kaffeebohnen machen wach wie eine Tasse Kaffee. Das Koffein wird über den Magen-Darm-Trakt aufgenommen; die Wirkung setzt meist innerhalb einer Stunde ein. Weil Dein Körper die Bohnen erst zerkleinern und verdauen muss, kann sie etwas langsamer einsetzen als beim Trinken. Wie lange die Wirkung anhält, ist individuell sehr verschieden: Wer regelmäßig Kaffee trinkt, spürt sie oft schwächer als jemand, der selten Koffein zu sich nimmt, und Raucher bauen Koffein schneller ab als Nichtraucher.

In der Erstfassung stand an dieser Stelle, Studien hätten belegt, dass Koffein aus Bohnen länger im Körper bleibe als aus Kaffee, und dass Gelegenheitstrinker bis zu zehn Stunden profitierten. Belastbare Quellen dafür habe ich nicht gefunden – deshalb habe ich diese Aussagen gestrichen.

Ist es gesund, Kaffeebohnen zu essen?

Kaffeebohnen enthalten Ballaststoffe, Polyphenole wie die Chlorogensäure – laut Kaffeeverband die bekanntesten Antioxidantien im Kaffee – und kleine Mengen B-Vitamine wie Niacin. Ein Teil der Chlorogensäure geht beim Rösten verloren. Ein Superfood sind Kaffeebohnen deshalb nicht: Die Mengen, die Du sinnvoll essen kannst, sind viel zu klein, um nennenswert zur Nährstoffversorgung beizutragen. Sieh sie als Genussmittel, nicht als Gesundheitssnack.

Helfen Kaffeebohnen beim Abnehmen?

Manche Menschen berichten, dass ein paar Kaffeebohnen Heißhunger auf Süßes dämpfen. Belegt ist das nicht, und eine Studie, die das Abnehmen mit Kaffeebohnen zeigt, kenne ich nicht. Die frühere Aussage in diesem Beitrag, regelmäßiges Bohnenessen könne bei der Gewichtsabnahme helfen, nehme ich deshalb zurück. Und Vorsicht bei Schokobohnen: Die Schokolade bringt reichlich Zucker und Kalorien mit.

Was passiert, wenn ich zu viele Kaffeebohnen esse?

Wie bei zu viel Kaffee kann das übermäßige Essen von Kaffeebohnen Beschwerden auslösen. Ursache ist vor allem das Koffein. Typisch sind:

  • Einschlafprobleme oder Schwierigkeiten durchzuschlafen
  • innere Unruhe, Nervosität, Reizbarkeit und Angstgefühle
  • schnellerer Puls oder Herzklopfen
  • vermehrtes Schwitzen und häufiger Harndrang
  • Sodbrennen, Aufstoßen und Magenschmerzen
  • bei manchen Menschen eine abführende Wirkung

Dazu kommt: Die harten Bohnen sind nicht ideal für die Zähne. Wer empfindliche Zähne, Kronen oder Brücken hat, beißt besser vorsichtig zu oder greift zu gemahlenem Kaffee in Desserts. Die Auswirkungen sind von Person zu Person verschieden. Bei normalen Mengen haben die meisten Menschen keine Beschwerden.

So genießt Du Kaffeebohnen

Mit Schokolade, im Kuchen und als Deko

Am beliebtesten sind Kaffeebohnen mit Schokolade: Die Süße fängt die Bitterkeit der Bohne auf. Schokobohnen kannst Du kaufen oder selbst machen, indem Du geröstete Bohnen in geschmolzene Kuvertüre tauchst und auf Backpapier fest werden lässt. Grob gehackte Bohnen geben Brownies, Tiramisu oder Eis Biss und Kaffeearoma. Ganze Bohnen machen sich gut als Deko auf Torten, Desserts oder einem Espresso Martini.

Sambuca mit Kaffeebohnen

Sambuca ist ein Anislikör aus Italien und wird traditionell mit gerösteten Kaffeebohnen serviert – meist mit drei Bohnen („con la mosca“). So wird er serviert:

  1. Den Likör mit den Bohnen in ein hitzefestes Schnapsglas geben.
  2. Den Likör kurz anzünden, damit die Bohnen leicht anrösten und Aroma abgeben.
  3. Die Flamme nach wenigen Sekunden löschen, indem Du das Glas abdeckst (zum Beispiel mit einem Untersetzer).
  4. Kurz abkühlen lassen, den Likör trinken und die Bohnen anschließend zerkauen.

Achtung: Die Flamme ist oft kaum zu sehen. Nie Alkohol in ein brennendes Glas nachgießen, nichts Brennbares in der Nähe stehen lassen und das Glas nicht anfassen, solange es heiß ist. Sambuca ohne Flamme mit Bohnen schmeckt übrigens auch.

Welche Bohnen eignen sich zum Naschen?

Grundsätzlich kannst Du jede geröstete Bohne essen, die Dir auch als Kaffee schmeckt. Mildere, mittel geröstete Arabica-Bohnen schmecken pur am angenehmsten, kräftige Espressobohnen mit Robusta-Anteil sind herber und enthalten mehr Koffein. Was die beiden Kaffeearten unterscheidet, erkläre ich im Ratgeber Arabica und Robusta. Frische ist wichtig: Alte, ranzig riechende Bohnen schmecken nicht. Gute Bohnen für die Maschine findest Du im Kaffeebohnen-Vergleich und bei den Espressobohnen.

Fazit: Kaffeebohnen essen – ja, aber in Maßen

Kaffeebohnen sind essbar und können ein leckerer Genuss sein – besonders mit Schokolade, im Kuchen oder zum Sambuca. Du solltest aber wissen, dass Du beim Essen das gesamte Koffein der Bohne aufnimmst. Schon 10 g Bohnen können so viel Koffein liefern wie ein bis zwei Tassen Kaffee. Halte Dich an die EFSA-Orientierung von höchstens 400 mg Koffein am Tag (Schwangere 200 mg) und rechne Kaffee, Tee und Cola mit ein. Gesundheitswunder oder Abnehmhelfer sind Kaffeebohnen nicht – ein kleiner Genuss zwischendurch aber schon.

Häufige Fragen zum Essen von Kaffeebohnen

Kann man Kaffeebohnen essen?

Ja. Geröstete Kaffeebohnen sind essbar und nicht giftig. Wegen des Koffeins solltest Du sie aber nur in kleinen Mengen essen.

Wie viele Kaffeebohnen darf man am Tag essen?

Eine feste Zahl gibt es nicht. Entscheidend ist die gesamte Koffeinmenge: Die EFSA hält für gesunde Erwachsene bis 400 mg am Tag und bis 200 mg auf einmal für unbedenklich. 10 g Arabica-Bohnen enthalten grob 80 bis 140 mg Koffein.

Wirken Kaffeebohnen stärker als Kaffee?

Pro Gramm ja, weil Du das gesamte Koffein aufnimmst und nicht nur den Teil, der beim Brühen ins Wasser übergeht. Die Wirkung setzt meist innerhalb einer Stunde ein.

Kann man rohe Kaffeebohnen essen?

Rohe, grüne Kaffeebohnen sind nicht giftig, aber sehr hart und schmecken grasig-bitter. Zum Naschen eignen sich nur geröstete Bohnen.

Wie viel Koffein hat eine schokolierte Kaffeebohne?

Nach US-Nährwertdaten etwa 12 mg pro Bohne, inklusive des Koffeins aus der Schokolade.

Helfen Kaffeebohnen beim Abnehmen?

Dafür gibt es keinen Beleg. Schokobohnen bringen zudem viel Zucker und Kalorien mit.

Dürfen Kinder oder Schwangere Kaffeebohnen essen?

Kinder besser nicht, denn für sie gelten deutlich niedrigere Koffeinmengen. Schwangere und Stillende sollten laut EFSA insgesamt nicht mehr als 200 mg Koffein am Tag aufnehmen und die Bohnen mitrechnen.

Warum gibt es Kaffeebohnen im Sambuca?

Die gerösteten Bohnen geben dem Anislikör ein leichtes Kaffeearoma. Traditionell sind es drei Bohnen („con la mosca“); oft wird der Likör kurz angezündet.

Bildnachweis: unsplash.com