Wahrheit über Bio-Kaffee
Veröffentlicht von: RedakteurRene|In: Kaffee Blog|16. November 2021

Bio-Kaffee: Gute Wahl oder nur Geschäftemacherei?

Bereits bei der Betrachtung von nachhaltigem Kaffee kommen Probleme auf. Das liegt daran, dass es für ihn keine existierende Zertifizierung gibt. Dafür finden sich für den Anbau von Robusta und Arabica Bohnen spezielle Kriterien, deren Erfüllung durch ein Siegel bestätigt wird. Was eine Zertifizierung wirklich aussagt, ist jedoch individuell unterschiedlich. Was genau Siegel aussagen können und was das Fehlen einer solchen Auszeichnung für den Kaffee bedeutet, erklären wir nachfolgend. Außerdem erfahren Kaffeetrinker/-innen, ob es guten Bio-Kaffee beim Discounter oder im Regal des Supermarkts gibt.

Wie ist Bio-Kaffee überhaupt definiert?

Bio-Produkte erfreuen sich großer Beliebtheit. Verbraucher assoziieren sie meist mit den Begriffen nachhaltig, grün und ökologisch. Gentechnik oder Pestizide kommen bei der Herstellung der Bohnen genauso wenig zum Einsatz wie chemische Dünger. Bei den Zusatzstoffen wird ebenso auf das Detail geachtet, denn nicht alle sind erlaubt. Unternehmen, die diese Vorgaben erfüllen, haben die Möglichkeit ein Zertifikat dafür zu erhalten. Dieses wird jedoch erst dann vergeben, wenn eine Kontrollstelle belegt, dass die Bohnen eines Erzeugers/einer Erzeugerin den aktuellen Kriterien entsprechen. Die Öko-Verordnung selbst wurde 1992 verabschiedet. Seit diesem Zeitpunkt ist sie jedoch mehrfach Änderungen unterlaufen. Seit dem Jahr 2018 gibt es eine Basisverordnung, die neu ist. Sie gilt ab Anfang 2022.

Bio-Haken

In Deutschland gilt seit dem Jahr 2001 übrigens der Bio-Haken. Er ist ein nationales Siegel, welches zeigt, dass die Herstellung von Bio-Waren den Vorgaben entspricht. Wird bei der Kontrolle gegen die Regeln der Zertifizierung verstoßen, wird ein Bußgeld erhoben. Die Grundlage hierfür liefert das Öko-Landbaugesetz aus dem Jahr 2008.

Der Bio Kaffee wächst heute auf Anbauflächen gemeinsam mit Avocado, Grapefruit oder Bananen. Auch die Verbindung mit Papaya-, Ananas- oder Eukalyptuspflanzen ist beliebt. Die Mischkulturen besitzen viele Vorzüge: Sie lockern den Boden auf und reduzieren damit zugleich die Erosionsgefahr. Diese Plantagen schützen sich auf natürliche Weise gegen Schädlinge und Unkraut. Das erspart den Einsatz von Chemie.


Wer Produkte mit einem Bio-Siegel erwirbt, hat die Sicherheit, dass sie speziell folgende Anforderungen erfüllen:

  • Frei von Pestiziden und Chemie
  • Anbau in Mischkulturen
  • Ohne Gentechnik
  • Wenigstens 95 Prozent der Rohstoffe sind biologisch erzeugt

Eine Ausnahme gilt jedoch für Espresso- und Kaffeebohnen. Hier greift die 95-Prozent-Regelung nämlich nicht. Meist wachsen die Robusta- und Arabica-Pflanzen in der Nähe von Bäumen und anderen Pflanzen, wie Kakao. So sparen sich die Landwirte/Landwirtinnen den Dünger Trotz der EU-Anforderungen in puncto Bio gibt es oft Kritik. Experten/Expertinnen bezeichnen sie als leicht zu umgehen. Das liegt speziell daran, dass die Produktion von Bohnen nicht betrachtet wird, sondern die Ernte und Verteilung. Darum finden sich auf dem Markt Siegel von anderen Herstellern. Zu ihnen gehören beispielsweise Bioland und Demeter.

Wie gut ist Bio-Kaffee ohne jegliche Siegel?

Die Worte „öko“ und „bio“ sind innerhalb der EU geschützt. Das bedeutet, dass Hersteller nachzuweisen haben, dass ihre Produkte den aktuellen Verordnungen entsprechen. Das zieht regelmäßige Kontrollen nach sich. Darum fallen für ein solches Siegel Kosten an. Sie sind für einige Hersteller zu hoch, sodass sie keine Möglichkeit haben, ein Produkt mit der Bezeichnung öko oder bio anzubieten, obwohl sie wahrscheinlich die strengen Auflagen erfüllen würden. Deshalb entscheiden sich größere Kaffeeproduzenten/Kaffeeproduzentinnen oft dazu eigene Siegel zu erzeugen. Sie ähneln oft den offiziellen Vorgaben des EU-Bio-Siegels.

Generell ist zu sagen, dass Bio-Kaffee, der im Supermarkt gekauft wird eine bessere Wahl darstellt als normaler Kaffee.
Generell ist zu sagen, dass Bio-Kaffee, der im Supermarkt gekauft wird eine bessere Wahl darstellt als normaler Kaffee.

Wie teuer sind Öko-Siegel?

Genaue Angaben zu den Preisen für Öko-Siegel sind schwer zu finden. In der Regel fallen für sie Kosten in vierstelliger Höhe an. Für Kaffeeanbauer/-innen ist dies zu viel Geld, denn sie würden kaum noch einen Gewinn machen, wenn sie solch hohe Gebühren zu zahlen hätten. Produzenten/Produzentinnen haben sich deshalb für einen neuen Ansatz entschieden. Sie möchten nicht nur die Umwelt in den Fokus rücken, sondern auch viele andere Punkte. Zu ihnen zählen die Arbeitsbedingungen, der Einsatz von Ressourcen und die Qualität des Anbaus. Ebenso begutachten sie die Wertschöpfungskette.

Welche Alternativen gibt es zum Bio-Siegel?

Hersteller, die kein Bio-Siegel auf ihren Produkten haben, legen die Bedingungen beim Kaffeeanbau oft offen. So haben Käufer/-innen die Option, sich selbst ein Bild von der Erzeugung der betreffenden Kaffeebohnen zu machen. Sie haben somit die Aufgabe ihre eigenen Kriterien festzulegen und sie mit den Anbau-, Ernte- und Produktionsbedingungen des Unternehmens zu vergleichen. Meist sind Kaffeebohnen, die kein Bio-Siegel tragen, sogar noch hochwertiger als jene mit der Auszeichnung. In der Regel erfüllen sie nämlich diese Kriterien:

  • Direct Trade der Ware, ohne Zwischenhändler
  • Oft Bildungsprogramme, welche die Qualität und den Geschmack von Kaffee verbessern sollen
  • Ernte, Pflege und Anbau erfolgen meist in Handarbeit
  • In der Regel kommen nachhaltige Ressourcen zum Einsatz
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Wie gut ist Bio-Kaffee vom Discounter oder aus dem Supermarkt?

Bio-Kaffee gibt es an den unterschiedlichsten Stellen zu kaufen. Nicht nur bei Tchibo, sondern auch Aldi und Rewe finden sich entsprechende Angebote. Alle Artikel, die du dort als Bio-Produkt erwirbst, haben die offiziellen Voraussetzungen zu erfüllen. Erst dann dürfen sie das Siegel auf der Verpackung zeigen. Trotzdem stellt sich die Frage, wie die Kaffeebohnen so günstig sein können, wenn die Hersteller die Kosten für das Siegel zu tragen haben.

Die Auflagen für Bio-Produkte sind dehnbar. Das bedeutet, dass es möglich ist, Bohnen als Bio-Produkt zu verkaufen, ohne für deren Anbau sehr hohe Kosten zu haben. Ebenso haben die Hersteller die Option, beim Geschmack oder Rösten der Rohbohnen Geld zu sparen. Speziell bei gemahlenem Kaffee ist das leicht. Dann ist die Optik der Bohne nämlich nicht mehr sichtbar. Generell ist jedoch zu sagen, dass Bio-Kaffee, der im Supermarkt gekauft wird eine bessere Wahl darstellt als normaler Kaffee. Die Bohnen, die für ein Bio-Produkt zum Einsatz kommen, tragen nämlich ihren Teil zur Nachhaltigkeit bei.

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Wie ist Bio-Kaffee ohne Koffein zu beurteilen?

Wer am liebsten koffeinfreien Kaffee erwirbt, hat beim Beurteilen von Bio-Produkten meist Schwierigkeiten. Das liegt daran, dass der Geschmack nicht beurteilbar ist. Hier sind Verbraucher darauf angewiesen den Angaben der Hersteller zu trauen. Bei Artikeln, die gar kein Siegel haben, ist es noch komplexer. Es ist nämlich nur schwer herauszufinden, ob eine Kaffeemarke ein Bio-Produkt anbietet oder nicht. Daher ist ein wenig Recherche notwendig. Auf der anderen Seite gibt es Anbieter, die ihren Kunden/Kundinnen alle notwendigen Informationen offen zur Verfügung stellen. Dabei wird keine Stufe der Wertschöpfungskette ausgelassen. Das bedeutet, dass häufig diese Informationen vorliegen:

  • Anbauort der Kaffeekirschen
  • Benennung von Kaffeeanbauern/-anbauerinnen
  • Aufbereitung, Ernte und Anbau von Bohnen
  • Transportwege der Kaffeebohnen
  • Aroma der Bohnen
  • Initiativen und Kooperationen
  • Kriterien der Preisbildung

Ebenso wie bei der Nachhaltigkeit ist es bei der Bio-Qualität von Kaffee wichtig auf die Herstellerangaben zu achten. Sie sollten transparent sein und so viele Informationen über ein Produkt preisgeben. Einige Unternehmen geben sogar weitere Aspekte an und verraten deshalb relevante Punkte, die deutlich über das gesetzliche Maß hinausgehen.

Fazit

Bio-Kaffee ist beliebt. Die meisten Menschen denken, dass sie damit der Umwelt und sich selbst etwas Gutes tun. Dabei übersehen sie häufig, dass es normale Kaffeebohnen gibt, die genauso gut oder sogar noch besser als Bio-Bohnen sind. Daher empfiehlt es sich nicht vorschnell zu urteilen und die Informationen eines Herstellers zu seinen Produkten zu lesen. In vielen Fällen bieten Unternehmen Kaffeesorten an, die sogar deutlich mehr als die gesetzlichen Bio-Siegel-Kriterien erfüllen.

Quellen: Literatur und weiterführende Verweise

  • https://www.mehr-gruen.de/blog/7-tipps-kaffee-nachhaltiger-geniessen/
  • https://www.zentrum-der-gesundheit.de/ernaehrung/lebensmittel/kaffee-uebersicht/kaffee-alternativen-ia
  • https://de.wikipedia.org/wiki/Kaffee

Bildnachweis:

  • https://pixabay.com/photos/coffee-heart-love-coffee-beans-4218564/
  • https://pixabay.com/photos/aroma-aromatic-beverage-bio-black-217073/

Wir haben diesen Test & Vergleich (11/2021) im laufenden Monat überprüft und die Beschreibungen einzelner Produkte aktualisiert. Unsere Empfehlungen sind nach wie vor auf dem neuesten Stand. Letztes Update am 16. November 2021


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